Mittelalterliche Architektur in Livland (Estland, Lettland).

Die Baukunst einer historischen Grenzregion im Nordosten Europas.

Projektleitung: Prof. Dr. Matthias Müller (IKM, Abt. Kunstgeschichte der JGU)

in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Christofer Herrmann (Universität Gdansk/Danzig) und Prof. Dr. Dethard von Winterfeld (IKM, Abt. Kunstgeschichte der JGU)

Projektkoordination: Dr. Agnese Bergholde-Wolf

In der Abteilung Kunstgeschichte des Instituts für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz konnte unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Müller und Prof. Dr. Christofer Herrmann (Universität Gdansk/Danzig) und unter Mitarbeit von Prof. Dr. Dethard von Winterfeld ein neues Drittmittelprojekt zur Architekturgeschichte Livlands eingerichtet werden. Das Projekt mit dem Titel „Mittelalterliche Architektur in Livland (Estland, Lettland) - die Baukunst einer historischen Grenzregion im Nordosten Europas“ soll eine Laufzeit von insgesamt vier Jahren haben (Vorprojekt 2016-2017; Hauptprojekt 2017-2020). Das einjährige Vorprojekt wird durch die Beauftragte der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien finanziert.

Ziel des internationalen Forschungsprojekts ist eine Gesamtdarstellung der mittelalterlichen Architekturentwicklung Livlands. Eine solche Darstellung der mittelalterlichen Architekturgeschichte eines wesentlichen Teils des heutigen Baltikum fehlt bislang, so dass das Projekt in weiten Bereichen Grundlagenarbeit leistet. Ein besonderes Interesse gilt den spezifischen Entstehungsbedingungen der Architektur, die in einer Grenzregion der christlich geprägten Kultur im Nordosten des mittelalterlichen Europa realisiert wurde. Auf der Grundlage einer Katalogerfassung (bestehend aus Baubeschreibungen, Baualtersplänen, Fotodokumentationen, Auswertungen von Schriftquellen und Forschungsliteratur zur Baugeschichte) aller erhaltenen und dokumentierten Bauten werden deutsche, estnische, lettische und dänische Wissenschaftler gemeinsam den Fragen nach der Genese und Entwicklung der dortigen Baukunst und ihrer Einbindung in den europäischen Kontext nachgehen. Dabei sollen auch die spezifischen historischen, in die deutsche Ostsiedlung und dänische Ostseeherrschaft eingebundenen Entstehungs- und Existenzbedingungen der Region zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert und deren Bedeutung für die Ausprägung der Architekturformen untersucht werden.

Ein weiteres wichtiges Projektziel besteht darin, die in Deutschland und Dänemark weitgehend unbekannten Ergebnisse und Leistungen der lettischen und estnischen Architekturforschung nach 1945 zusammenfassend zu erschließen und auf dieser Grundlage eine gemeinsame zukünftige Forschungsperspektive zu eröffnen, die aktuellen bauarchäologischen, kulturwissenschaftlichen und wissenschaftsgeschichtlichen Erkenntnissinteressen und Methoden der europäischen Architekturforschung entspricht. In diesem Zusammenhang ist auch eine kritische Darstellung der Forschungsgeschichte hinsichtlich der politischen Interpretation mittelalterlicher Architektur als identitätsstiftendes Element vorgesehen.

Das einjährige Vorprojekt (1.7.2016 - 30.6.2017), das in Kooperation mit dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung durchgeführt wird, umfasst vorbereitende Arbeiten wie Literatur- und Archivrecherche, Erstellung der Objektlisten, des Literatur- und Quellenverzeichnisses, Analyse und Dokumentation der Bauten in zwei ausgesuchten Regionen in Estland und Lettland mit Durchführung einer Musterkatalogisierung.

Kurzer Bericht zum erfolgreichen Abschluss des einjährigen Vorprojektes.