Jennifer Konrad M.A.

Lehr- und Forschungsschwerpunkte

Architektur des 20. Und 21. Jahrhunderts, insbesondere mit Fokus auf die Entwicklung von Architekturtheorien in Verbindung mit geistes- und medienwissenschaftlichen sowie philosophischen Strömungen, Bildkünste des Mittelalters und der frühen Neuzeit

Akademischer Lebenslauf

2009 bis 2015 Studium der Kunstgeschichte, Ethnologie und Rechtswissenschaften in Mainz und Dijon. Seit 2016 Promovendin mit dem Schwerpunkt Architekturtheorie bei Univ.-Prof. Dr. Matthias Müller. Währenddessen wissenschaftliche Hilfskraft für Prof. Dr. Matthias Müller. August 2017 bis Juli 2020 Promotionsstipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung. April 2018 bis April 2020 Juniormitglied der Gutenberg Akademie. Ab Januar 2019 Juniorsprecherin der Gutenberg Akademie. Gründungsmitglied der Projektgruppe zur Architekturvermittlung der Nachkriegsmoderne namens „Die Betonisten“ (eingetragene Arbeitsgruppe des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz). 2019 erhalten die Betonisten den Deubner-Preis. Seit August 2020 operative Projektleitung der Ausstellung „Wissen schafft Raum. Aspekte internationaler Architektur auf dem Mainzer Gutenberg-Campus“ im Rahmen des 75. Jubiläums der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Dissertationsprojekt

„Architektur als visuelle Störung: zum Verhältnis von Bauform und Wahrnehmung im Dekonstruktivismus“
Betreut durch Univ.-Prof. Dr. Matthias Müller

Die dekonstruktivistische Architektur gilt mit ihren gezackten, blitzartigen Formen als eine werbewirksame und ästhetisch-oberflächliche Architektur, die hauptsächlich als eine dem urbanen Mainstream entgegengestellte Provokation verstanden wird. Dass die Bauwerke von u. a. Daniel Libeskind, Bernard Tschumi und Peter Eisenman auf Grundlage philosophischer Leitideen konzipiert und gebaut wurden, wird bis in der Forschung kaum verhandelt. Dabei wurde die Überführung von Jacques Derridas Prinzip der Dekonstruktion in die Architektur von ihm selbst als ambitioniertester Transfer außerhalb der Linguistik bezeichnet. Die Dissertationsthese basiert auf der Annahme, dass der dekonstruktivistische Charakter eines Gebäudes in einem Zusammenhang mit der poststrukturalistischen Philosophie als auch mit Störphänomenen steht, die vermehrt im 21. Jahrhundert wissenschaftlich beschrieben werden und ein wesentliches Charakteristikum der Strömung bilden: Dekonstruktivistische Architektur, die auf einer umfassenden Theoriebildung der einzelnen Architekt:innen basiert, ist in der Lage, die Metaphysik von Architektur – ihre Ordnung, Semiotik und Bedeutungscodes – zu hinterfragen. Auf diese Weise verschiebt sich die Bedeutung von dekonstruktivistischer Architektur weg von einem Stil, hin zu einem Verfahren, wodurch sie rekursiv als eine Strömung innerhalb der heterogenen, geisteswissenschaftlichen Postmoderne im Sinne von Wolfgang Welsch verstanden werden kann, zu der auch die Dekonstruktion zählt. Dadurch, so meine These, zeigt sich die Unterscheidung von Norm und Abnorm als eine kontingente Setzung in einer sichtbaren Zeitgleichheit bzw. in einem Oszillieren der Verhältnisse: Das „Medium“ von Architektur, die Konstruktion ihrer Ordnung, wird räumlich, aber auch semantisch erfahrbar, u. a. durch widersprüchliche, indexikalische Mehrfachkodierung von einst eindeutigen architektonischen Bedeutungsträgern. Das Prinzip der Störung, sowohl kontextuell als auch visuell, kann somit als ein wesentliches Mittel dekonstruktivistischer Architektur verstanden werden, welches in diversen Formen auftritt und die Denkhaltung, Theorie und Konzeption der Architekt:innen anregt.

Publikationen und Redaktionen

Konrad, Jennifer; Müller, Matthias; Zenck, Martin (Hrsg.): „Zwischenräume“ in Architektur, Musik und Literatur. Leerstellen – Brüche – Diskontinuitäten. Bielefeld 2021: Transcript (in Arbeit).

Konrad, Jennifer: „Architektonische Zwischenräume: optische und konzeptuelle Unschärfe in der dekonstruktivistischen Architektur“, in: Konrad, Jennifer; Müller, Matthias; Zenck, Martin: „Zwischenräume“ in Architektur, Musik und Literatur. Leerstellen – Brüche – Diskontinuitäten. Bielefeld 2021: Transcript (in Arbeit).

Konrad, Jennifer: „Architektonische Hässlichkeit als Diskursstörung: Zum produktiven Charakteristikum und Erkenntnismehrwert des Hässlichen in der dekonstruktivistischen Architektur“, in: Eiberger, Meike (u.a.): Hässlich. Tagungsband zum 95. Kunsthistorischen Studierendenkongress. Köln 2019.

Redaktion des Tagungsbandes „Fürst und Fürstin als Künstler. Herrschaftliches Künstlertum zwischen Habitus, Norm und Neigung“, hg. von Annette C. Cremer/Matthias Müller/Klaus Pietschmann. Berlin 2018: Lukas Verlag (Schriften zur Residenzkultur, 11).

Konrad, Jennifer: „Kévin Monot“, in: van der Koelen, Dorothea (Hg.): „4+8+2“. Mainz 2015: Chorus Verlag.

Workshops und Kolloquien

Teilnehmerin des interdisziplinären Sommerseminars „Was ist ein Denkmal? Architektur als kulturelles Erbe“ auf Gut Siggen an der Ostsee, durchgeführt von der HafenCity Universität Hamburg, Universität Hamburg und dem Denkmalverein Hamburg e.V., Juli 2019.

Planung, Koordination und Durchführung inklusive Moderation des Studientags „ZWISCHENRÄUME – LEERSTELLEN, BRÜCHE UND DISKONTINUITÄTEN IN KUNST, MUSIK UND LITERATUR“, initiiert vom Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Kooperation mit dem Institut für Musikforschung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und gefördert durch den Forschungsschwerpunkt Historische Kulturwissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Durchführung der Moderation der Vorträge und Diskussionsrunden, April 2019.

Teilnahme am Symposium „Die Stadt im Schatten des Hofes? Bürgerlich-kommunale Repräsentation in Residenzstädten des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit“ anlässlich des Projekts „Residenzstädte im Alten Reich (1300–1800)“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen in Kooperation mit dem Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Akademie des Bistums Mainz, Erbacher Hof Mainz, September 2017.

Koordination und Betreuung der Tagung „Gotische Architektur am Mittelrhein. Regionale Vernetzung und Überregionaler Anspruch“, initiiert vom Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Verbindung mit dem DFG-Projekt „Mittelalterliche Sakralarchitektur am Mittelrhein“ und in Kooperation mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), dem Arbeitsbereich Vergleichende Landesgeschichte des Historischen Seminars der JGU und dem Institut für Geschichtliche Landeskunde sowie mit Unterstützung des Forschungsschwerpunktes Historische Kulturwissenschaften (HKW) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, September 2016.

Planung des Symposiums anlässlich des zehnjährigen Jubiläums „10 Jahre – 10 Statements“ der Schleuse Opelvillen mit Präsentation der Förderung von jungen Künstlern, September 2015.