Doktorandengruppe „Raum und Herrschaft“

Raum und Herrschaft: Stadt und Garten als Kommunikations-, Disziplinierungs- und Wissensraum in Europa

Gefördert durch die Initiative "Pro Geistes- und Sozialwissenschaften 2015" Laufzeit: 2010 - 2012

Leitung der Doktorandengruppe: Prof. Dr. Elisabeth Oy-Marra (Kunstgeschichte, zgl. Sprecherin), Prof. Dr. Jan Kusber (Osteuropäische Geschichte), Prof. Dr. Matthias Müller (Kunstgeschichte)

Forschungsprogramm der Gruppe:

Seit der Antike ist die Konstitution und Rezeption adliger oder republikanischer Herrschaft ganz wesentlich an räumliche und raumzeitliche Parameter gebunden. Um politische Macht in ihrer ästhetisch-zeichenhaften, sinnlich-physischen und zeitlich-dynamischen Wirkung nachhaltig entfalten zu können, waren die Regenten sowie die mit ihnen verbundene adlige oder städtische Führungsschicht auf die sichtbare Besetzung des öffentlichen und privaten Raumes angewiesen. Dem herrschaftlich durchorganisierten und durchstrukturierten Raum wurden dabei geradezu mnemotechnische Qualitäten zugeschrieben: Die kultivierten Landschaften, funktionierenden Städte und kunstvoll gestalteten Paläste und Gärten sollten als Erinnerungszeichen einer klugen und effektiven Regentschaft dienen. Der Zusammenhang zwischen der Etablierung und Rezeption von rechtmäßiger Herrschaft und der durch sie bewirkten politischen Inbesitznahme und strukturellen Formung von territorialen wiearchitektonischen Räumen erfährt in der Frühen Neuzeit vielfältige Aktualisierungen und Ausprägungen.

Dem komplexen Raumgefüge von Stadt und Garten im frühneuzeitlichen Europa widmet sich die Arbeit der Doktorandengruppe. Die besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Wechselverhältnis zwischen hortikulturellen und urbanen Räumen, die - in ihrer Funktion als epistemische oder mnemotechnische Modelle und als Orte sozialen Handelns - sich ständig in produktiver Konkurrenz zueinander befinden. Erst in gegenseitiger Bezugnahme gewinnen Stadt und Garten ihre markanten diskursiven Konturen und erfahren so ihre jeweilige machtpolitische Konjunktur als Ideal-, Palimpsest- oder auch als Konfliktraum, in dem konkurrierende gesellschaftliche Gruppen ihre divergierenden Repräsentationsansprüche zu realisieren vermögen.

Im Fokus der einzelnen Forschungsvorhaben befinden sich somit ideologische Implikationen, pragmatische und kommunikative Strategien sowie die jeweiligen ästhetischen Konzepte der Rauminszenierung im südlichen (Genua, Venedig) und nördlichen (Moskau, St. Petersburg) Europa. In übergreifender konzeptioneller Arbeit nimmt die Doktorandengruppe eine vergleichende europäische Perspektive auf Stadt und Garten als frühneuzeitliche Räume im Spannungsfeld von adligen und frühbürgerlichen Eliten ein.

Koordinatorin der Doktorandengruppe:

Dr. Anna Ananieva: "Öffentliche Denkmäler der Nation" Zur Konstruktion städtischer Gartenräume im Spannungsfeld zwischen politischer und ästhetischer Ökonomie. Mail

Stipendiaten:

Alexander Bauer, M.A.: Die gebaute Utopie einer Herrschaft: Sankt Petersburg unter Katharina II.Mail

Daniel Leis, M.A.: Die Piazza di San Marco in Venedig als Ort der Republik. Soziale Ordnung und der Raum. Mail

Bettina Morlang, M.A.: Politische Orte, ideale Räume. Ausstattungskonzepte von Genueser Adelspalästen zwischen 1650 und 1750. Mail

Kristina Steyer, M.A. : Automatenkunst in Gärten der Frühen Neuzeit. Zur Technisierung und Inszenierung von Natur und ihrer Bewertung in der Guidenliteratur. Mail

Informationen zu den einzelnen Projekten und DoktorandInnen finden Sie hier.