Daniel Leis M.A.

Die Piazza di San Marco in Venedig als Ort der Republik. Soziale Ordnung und der Raum.

Stadtplätze künden nicht nur von der politischen und ökonomischen Macht ihrer Erbauer, sondern darüber hinaus vom Selbstverständnis ihrer Benutzer und den gesellschaftlichen Strukturen der (Stadt)-Gemeinschaft, in deren Diensten sie stehen und für die sie wesentliche Funktionen übernehmen. Der Platzraum ist dabei keineswegs eine von Architektur begrenzte leere Fläche, sondern konstituiert sich sowohl real als auch in seiner Wahrnehmung erst durch die Ausgestaltung, Anordnung und Relation von Gebäuden und Denkmälern. Diese enthalten bereits Vorstellungen des Platzes, welche durch sie in der Stadt materiell präsent werden, und durch Handlungen oder Bedeutungszuweisungen konkrete Orte schaffen.

Die Piazza di San Marco in Venedig war seit ihrer geplanten Anlage in den 70er Jahren des 12. Jahrhunderts politisches und gesellschaftliches Zentrum der Stadt. Sie war von den wesentlichen staatlichen und staatskirchlichen Institutionen umgeben und erfüllte zahlreiche Funktionen in der Ausübung und in der Inszenierung von Herrschaft. Diese Funktionen wiederum erforderten eine bauliche und künstlerische Ausstattung des Platzes, die im Laufe der folgenden Jahrhunderte zahlreichen Veränderungen unterworfen war, die sich analog eines gesellschaftlichen und politischen Wandels vollzogen.

Die Doktorarbeit untersucht, wie Funktionen und Bedeutungen des abstrakten politischen Raumes in der Gestaltung des real existierenden Platzraumes wirksam werden und dessen Gestalt bestimmen beziehungsweise wie diese innerhalb des Platzraumes konkrete Orte schaffen. Da der Platzraum wandelbar wahrgenommen, erlebt und durchschritten werden kann, kann er von seiner Umgebung abgegrenzt werden, in sie eingebunden sein oder in sie ausstrahlen. Die Öffnung oder Schließung des Platzes ist daher ein wichtiger Faktor seiner Wahrnehmung und wird ebenfalls Gegenstand der Untersuchung sein.

Die Arbeit versucht weniger die konkrete Situation zu einem bestimmten Zeitpunkt zu rekonstruieren, sondern die Transformationen des Platzes in ihrer zeitlichen Dauer vom Quattrocento bis zum Ende der Republik zu betrachten.

Zur Person
Magister Artium
2002 - 2009 Studium der Kunstgeschichte, Mittleren und Neueren Geschichte sowie der Christlichen Archäologie und byzantinischen Kunstgeschichte an den Universitäten Mainz, Bologna und Berlin
2003-2008 Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes
2010-2012 Stipendiat der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in der Doktorandengruppe "Raum und Herrschaft: Stadt und Garten als Kommunikations-, Disziplinierungs- und Wissensraum in Europa".