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Nachruf – Univ.-Prof. Dr. Hartmut Biermann

 

Zum Tod von Univ.-Prof. Dr. Hartmut Biermann
(23.05.1925 – 22.12.2018)

Wir trauern um unseren Seniorkollegen Hartmut Biermann, der kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember 2018, im Alter von 93 Jahren in Berlin verstorben ist.

Hartmut Biermann wurde 1925 in Oer-Erkenschwick geboren und hat nach dem Abitur Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Philosophie an den Universitäten Münster, Tübingen und München studiert.
In München wurde er 1957 bei Hans Sedlmayr mit einer Arbeit über die Stanzen Raffaels (Die Stanzen Raffaels. Versuch einer Gestaltanalyse, München: Hueber 1957) promoviert. Im darauffolgenden Jahr war er zunächst am Zentralinstitut in München Stipendiat bis er – ebenfalls als Stipendiat – schließlich für viele Jahre an das Kunsthistorische Institut in Florenz und an die Bibliotheca Hertziana in Rom ging. Hier legte er die Grundlagen für die Forschungsschwerpunkte, die er ein Leben lang verfolgen sollte. Es war vor allem die Architektur der italienischen Renaissance, deren Erforschung er sich fortan widmete.

1972 nahm er den Ruf auf die neueingerichtete Professur am Institut für Kunstgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz an. Hier lehrte er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1990.
Hartmut Biermanns Berufung markiert am Institut für Kunstgeschichte in Mainz nicht nur eine personelle Erweiterung auf damals insgesamt zwei Professuren, sondern auch eine thematische Ergänzung der bis dahin vornehmlich auf Spätantike und Mittelalter fokussierten Forschungsschwerpunkte um die Kunstgeschichte Italiens. Diese betrieb er in Forschung und Lehre mit großem Engagement und Begeisterung für seine Forschungsgegenstände, die auf seine Schüler ansteckend gewirkt haben.

Zu seinen auf die idealtypischen Architekturen von Villa und Palast gerichteten Interessen, die sich in Publikationen zur Entwicklung der toskanischen Villa und zum Palastmodell Giuliano da Sangallos für König Ferdinand I. von Neapel (Aragon) niederschlugen, kam die Architekturtheorie und ihr Verhältnis zur gebauten Umsetzung hinzu. Vor allem widmete er sich der Erforschung des Humanisten und Architekturtheoretikers Leon Battista Alberti. Dabei interessierte ihn nicht allein das berühmte Architekturtraktat De re aedificatoria und sein Verhältnis zu anderen Texten wie den einer Villenbeschreibung Sannazaros, sondern vor allem die „exempla“ dieser Architekturtheorie und immer wieder die Klärung einer hypothetischen Bauaufsicht Albertis am berühmten Palazzo Ducale in Urbino.2009 hat er diese Vorstellung schließlich als Fiktion entlarvt.

Neben Fragen nach der Geschichte idealtypischer Raumformen wie der des runden Hofes nahm Biermann ebenso den Zusammenhang von Architektur und Macht in den Blick wie auch die Rolle des Bildes im Rahmen dynastischer Repräsentation, die er am Beispiel des Bildnisses Federico da Montefeltros und seines Sohns Guidobaldo von Pedro Berruguete eindrucksvoll darzustellen wusste.
Als er 1990 in Pension ging, wurde ihm eine gewichtige, von Christoph Andreas und Maraike Bückling herausgegebene Festschrift zu teil, die viele Freunde und Schüler vereint. Der Kreis der Autoren und Autorinnen ist beeindruckend und reicht von dem im gleichen Jahr verstorbenen Freund Christof Thoenes, über Hermann Bauer, Tilmann Buddensieg, Peter Cornelius Claussen bis hin zu Michael Victor Schwarz,  Hans-Christoph Dittscheid, Henrik Karge, Hans Körner und Iris Lauterbach.

Hartmut Biermann blieb dem Institut auch nach seiner Pensionierung verbunden, insbesondere bemühte er sich um den Kontakt zu jungen Doktoranden und Doktorandinnen. Bis zum Ende war er ein ungemein wiss- und erkenntnisbegieriger Kunsthistoriker und vor allem auch ein leidenschaftlicher Lehrer, dem der unmittelbare Kontakt zu den Studierenden auf Augenhöhe sehr wichtig war.

Im Namen des gesamten Kollegiums
Elisabeth Oy-Marra

Die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung findet am Freitag, den 8. Februar 2019 um 13:00 Uhr in der Kapelle des städtischen Friedhofs Wilmersdorf, Berliner Straße 81-103 in 10713 Berlin statt.

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Nachruf – Universitätsprofessor Dr. Urs Peschlow

 

Das Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität trauert um Universitätsprofessor Dr. Urs Peschlow.

Urs Peschlow wurde am 11. März 1943 in Hannover als Sohn des Oberregierungsrates Dr. Martin Peschlow und seiner Frau Margot Peschlow, geb. Schuphan, geboren.

Nach seiner Schulzeit in Hannover studierte er Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Christliche Archäologie an den Universitäten Marburg und Thessaloniki. Seinem Doktorvater Richard Hamann-Mac Lean folgte er 1967 an die Universität Mainz, wo er 1970 mit der grundlegenden Arbeit „Die Irenenkirche in Istanbul. Untersuchungen zur Architektur“ promoviert wurde. Hieran schloss sich 1970/71 ein Werkvertrag an der Abteilung Rom des Deutschen Archäologischen Instituts unter Friedrich Wilhelm Deichmann an.

1971 wurde er Referent der Abteilung Istanbul des Deutschen Archäologischen Instituts und erhielt dort 1975 ein mehrjähriges Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 1979/80 war er Forschungsstipendiat in Dumbarton Oaks, Washington, D.C.

1981 übernahm Urs Peschlow die Stelle eines Wissenschaftlichen Mitarbeiters, ab 1983 die eines Hochschulassistenten an der Christlich-Archäologischen Abteilung der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen unter Ekkehard Mühlenberg.

1985 erhielt Urs Peschlow den Ruf an die Johannes Gutenberg-Universität, Mainz. Als Nachfolger von Otto Feld nahm er seitdem am Mainzer Institut für Kunstgeschichte die C3-Professur für das Fach Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte ein und lehrte hier bis zu seiner Pensionierung 2008. 1991 begründete er am Kunsthistorischen Institut den Arbeitsbereich sowie den Studiengang 'Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte', beteiligte sich u. a. am Graduiertenkolleg „Raum und Ritual“ (2001–2004) und ab 2006 am Forschungsverbund "Byzantinische Archäologie Mainz", womit die Kooperation zwischen der Universität Mainz und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum begründet wurde. 1996 wurde er zum Fachgutachter für das Fach Byzantinistik (Byzantinische Kunstgeschichte) der DFG gewählt. Er war korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts.

Sein wissenschaftliches Wirken galt der byzantinischen Architektur Konstantinopels und Kleinasiens und der byzantinischen Bauplastik. Auf beiden Gebieten hat er musterhafte und viel rezipierte Beiträge vorgelegt. Die vorläufigen Ergebnisse seiner letzten Grabung in Patara konnte er noch publizieren, 2015 erschien seine Monographie Ankara. Die bauarchäologischen Hinterlassenschaften aus römischer und byzantinischer Zeit, das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit. Auch an anderen Projekten arbeitete er in seinem Ruhestand intensiv bis zum plötzlichen Ausbruch seiner Krankheit. Nur wenige Tage nach seinem 75. Geburtstag ist Urs Peschlow am 16. März 2018 in Wiesbaden gestorben.

Das Mainzer Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft verliert mit Urs Peschlow einen hochgeschätzten Kollegen und bedeutenden Gelehrten. Ausgewiesen durch zahlreiche Publikationen und Vorträge galt er international als eine Autorität seines Faches und trug, immer auch offen für interdisziplinäre Zusammenarbeit, wesentlich zum Ansehen unseres Hauses bei. Mit seiner gewinnenden Ausstrahlung als Lehrer verstand es Urs Peschlow, seine Studenten und Mitarbeiter zu großen Leistungen zu motivieren.

Wir alle hätten ihm noch viele Jahre zu leben und zu arbeiten gewünscht.

 

Der geschäftsführende Leiter

Gregor Wedekind

 

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Ziemlich beste Freunde. Die Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zu Gast in Mainzer Museen

Ungewohnte Exponate erwarten die Besucherinnen und Besucher vom Frühling bis zum Frühherbst in den Dauerausstellungen des Landesmuseums Mainz, des Naturhistorischen Museums und des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums: Die Sammlungen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sind zu Gast! Ausgewählte Objekte aus den vielfältigen Beständen der Universität, die an verschiedenen Instituten für Lehre und Forschung genutzt werden, die die wissenschaftshistorische Entwicklung dokumentieren und ganz unterschiedliche ästhetische, kulturelle und ideelle Werte haben, treten in einen spannungsreichen Dialog mit den Exponaten der Museen.
Wie eine Spur ziehen sich die universitären Sammlungsstücke durch die Museen. In den Bestandsvitrinen der Dauerausstellungen, aber auch in Gastvitrinen in den Farben der Universität Rot und Weiß wird beispielsweise eine indische Bronzefigur gezeigt, die mit mittelalterlichen Mariendarstellungen kontrastiert, eine Maske aus Kamerun steht einem Elefantenskelett gegenüber und Pflanzenpräparate korrespondieren mit Vasen des Jugendstils. Unterschiedliche Lebenswelten, Geschichten, Disziplinen, Epochen, Stile und Materialien treffen aufeinander.
Die spielerischen Exponat-Nachbarschaften eröffnen überraschende Perspektiven und lassen die musealen und universitären Sammlungen in neuem Licht erscheinen. Sie fordern eine erneute Auseinandersetzung mit den Objekten heraus, decken Gemeinsamkeiten der vordergründig so unterschiedlichen Bestände auf, lassen Verbindungen quer zu Fächern und Kulturen erkennen und regen zu neuen Assoziationen und Erkenntnissen an. So bereichern sich die ungleichen Objektpaare gegenseitig – wie dies beste Freunde eben tun…

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Landesmuseum Mainz
23. März – 12. Juni 2016
Die Gäste aus der Universität „schmuggeln“ sich im Landesmuseum Mainz in die gesamte Dauerausstellung, die sich der regionalen Kunst und Kultur vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart widmet. Sie begegnen ihren neuen „besten Freunden“ in den einzelnen Abteilungen des Museums unter gemeinsamen Themen wie „Heiligenverehrung“, „Grabkulturen“, „Menschenbilder“, „Bürgerkultur“, „Reisen“ und „Krieg“. Bewusst werden unterschiedliche historische und kulturelle Kontexte miteinander verflochten.

Naturhistorisches Museum Mainz
20. Mai – 20. August 2016
In der Schausammlung des Naturhistorischen Museums kommt es zu ungewöhnliche Begegnungen zwischen biologischen Präparaten und kulturhistorischen Objekten aus den Sammlungen der Universität. In „tierischen Freundespaaren“ treffen Urpferdchen auf antike Pferdedarstellungen und der heimische Fuchs wird zum Comic-Held. Die ungewohnten Zusammenstellungen laden die Besucherinnen und Besucher ein, die vielfältigen Beziehungen von Tier und Mensch aus neuen Blickwinkeln zu betrachten und übergreifende Sichtweisen zu entwickeln.

Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz
2. Juli – 4. September 2016
Das Dommuseum empfängt die „Freunde“ aus der Universität bei den mittelalterlichen Steinskulpturen in der Gewölbehalle. Objekte aus den Sammlungen der Ethnologie, Archäologie, Ägyptologie, Geowissenschaften und anderer Fächer treten in Beziehung zu berühmten Werken wie den Fragmenten vom Westlettner des Naumburger Meisters. Verbindendes Thema sind Jenseitsvorstellungen unterschiedlicher Epochen, Kulturen und Religionen. Die neuen „Freunde“ laden dazu ein, die Ähnlichkeiten und Unterschiede kultureller Konzepte von Leben und Tod zu entdecken.

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Kristina Müller-Bongard M.A.

Forschungsschwerpunkt:
Kunst zur Zeit der katholischen Restauration im Umfeld des Jesuitenordens, Druckgrafik in der Frühen Neuzeit mit religionspolitischem Schwerpunkt

Inhaltsverzeichnis

  1. Akademischer Lebenslauf

Akademischer Lebenslauf

Geboren 1982 in Simmern. 2001-2007 Studium der Kunstgeschichte und Kulturanthropologie an der Universität Mainz mit einer Magisterarbeit zum Thema "Studien zu den Kupferstichen Giovanni Battista Cavalieris nach den Fresken von Niccolò Circignani in San Tomaso di Canterbury in Rom" bei Prof. Dr. Elisabeth Oy-Marra und PD Dr. Claudia A. Meier.

Das Dissertationsprojekt erfolgt bei Prof. Dr. Elisabeth Oy-Marra und Prof. Dr. Matthias Müller über "Das Martyrium als Bildsujet - Konfessionalisierung, Tradition und Erneuerung". Seit Oktober 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.