Chronik

Erarbeitet von PD Dr. Kai Kappel u.a.

1946 bis 1960

1946-1966: Friedrich Gerke Institutsdirektor

1946: Am 22. Mai feierliche Wiedereröffnung der Mainzer Universität im Areal einer 1939 errichteten Flak-Kaserne. Dort Antrittsvorlesung Friedrich Gerkes (bisher Berlin und Budapest) und Aufnahme des Lehrbetriebes mit etwa 50 Studierenden. Fritz Viktor Arens hat sich habilitiert. Heinrich Gerhard Franz ist seit 1946 als Privatdozent tätig. Am Ende des Sommersemesters besitzt das Institut 328 Diapositive, im Spätsommer einen Buchbestand von etwa 5.000 Werken. Die meisten Bücher werden 1946 und 1948 von der französischen Militärregierung aus Beständen des Deutschen Kunstgeschichtlichen Instituts in Paris zur Verfügung gestellt.

1947: Das Institut erwirbt aus Marburg eine Sammlung von 60.000 Originalfotos. Gründung der "Gesellschaft für Bildende Kunst in Mainz". Die Gesellschaft versteht sich als kulturelles Bindeglied zwischen Universität und Stadt Mainz. Intensivierung des Vortrags- und, ab Ende 1960, auch des Ausstellungswesens. Seit 1960 erscheint die Reihe "Kleine Schriften der Gesellschaft für Bildende Kunst in Mainz" (Heft 37 Katalog der umstrittenen Ausstellung "Werke alter Meister aus Privatbesitz" (1968)).

1948: Erwerb der Bibliothek und des Kunstarchivs des Mainzer Kunsthistorikers Franz Theodor Klingelschmitt. Eine seit 1871 durch den "Verein für plastische Kunst in Mainz" angelegte Gipsabguss-Sammlung wird um 1948 in den Besitz des Kunsthistorischen Instituts übernommen. Die Sammlung kann durch weitere Ankäufe ergänzt werden.

Wintersemester 1949/50: Erwerb einer durch Prinz Johann Georg Herzog von Sachsen (1869-1938) im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts angelegten Sammlung von Kleinkunst (ägyptische Kunst, griech. und röm. Kleinplastik, griech. und russ. Ikonen, neuzeitliches islamisches und ostkirchliches Kunsthandwerk). Die durch das Kultusministerium des Landes Rheinland-Pfalz angekaufte Sammlung wird dem Institut überlassen und provisorisch inventarisiert (über 900 Inventarnummern). Aus konservatorischen Gründen können die Objekte zunächst nur teilweise ausgestellt werden.

Ab Wintersemester 1949/50: Erste Auslandsexkursionen (Südfrankreich, Paris und Ile de France, Elsaß, Oberitalien, Spanien), auch zur Erweiterung des hauseigenen Bildarchivs ("Photoexpeditionen").

1950: Heinrich Gerhard Franz wird zum apl. Professor ernannt (Forschungsschwerpunkte: Architektur des Barock, vor allem in Böhmen, frühislamische Kunst und Architektur, Kunst Indiens). Erste Promotionen (u. a. der spätere Sammler und Kunstmäzen Peter Ludwig). Dem Institut wird die Redaktion der Publikationsreihe "Forschungen zur Kunstgeschichte und Christlichen Archäologie" übertragen (derzeit 19 Bände). Die Bibliothek umfasst 13.000 Bände. Ein im Institut befindliches Museum enthält Objekte der städtischen Gipsabguss-Sammlung, eine Sammlung Mainzer Steindenkmäler und die Prinz Johann Georg-Sammlung. Ausrichtung der Internationalen Tagung zur Kunstgeschichte des ersten Jahrtausends.

1952: Der Fotobestand des Instituts hat sich gegenüber 1948 und 1950 nur gering vergrößert (nun 79.000 Exemplare), hingegen ergab sich ein deutlicher Zuwachs im Bereich der Diasammlung (nun 72.150 Stück). Die Diasammlung umfaßt auch rd. 18.000 Farbdias einer während des Krieges im Auftrag des Deutschen Reiches durchgeführten Aufnahmeaktion vor allem deutscher Wand- und Deckengemälde (1996 als Dauerleihgabe an das Bildarchiv Foto Marburg gegeben).


1957: Fritz Viktor Arens wird zum apl. Professor ernannt (Forschungsschwerpunkte: Kunstgeschichte des Mittelrheines, speziell des Mainzer Raumes, von der Gotik bis zum Barock).

1960 bis 1980


1960: Am 3. Mai Bezug des eigens für die Kunstgeschichte errichteten Institutsgebäudes an der Binger Straße (zuvor hatte sich dort eine Kriegsruine befunden). Eröffnung der restaurierten Prinz Johann Georg-Sammlung in eigenen Räumlichkeiten. Für den Eingangsbereich des Hauses schaffen die Künstler Emy Roeder das Bronzerelief des Phönix (238 cm) und Johannes Schreiter das Bleiglasfenster (330x365 cm; Ausschnitt s. unten). Auch in den übrigen Treppenhausgeschossen waren ungegenständliche Buntglasfenster geplant [Schreiben Prof. Schreiter, 24.03.2001, im Institutsarchiv]; aus Geldmangel musste dort jedoch mattiertes Drahtglas verwendet werden. Das Institutstreppenhaus wird im ersten Obergeschoss durch Anbringung von Mosaikkopien zum "Ravenna-Foyer", im zweiten Obergeschoss zum "Emy-Roeder-Foyer" und im dritten Geschoss zum "Foyer der Künstler von Rheinland-Pfalz" ausgestaltet. Bei dem Umzug werden nur die kunsthistorisch relevanten Stücke der um 1948 erworbenen Gipsabguss-Sammlung in das neue Haus übernommen. Die Bibliothek zählt zu diesem Zeitpunkt 15.700 Bände. Internationales Symposion zur Kunst des Frühen und Hohen Mittelalters.


1962: Internationales Symposion "Mainz und der Mittelrhein in der europäischen Kunstgeschichte". Berufung von Heinrich Gerhard Franz auf einen Lehrstuhl am Kunsthistorischen Institut der Universität Graz.

1964: Fritz Viktor Arens wird zum Wiss. Rat. ernannt. Aus dem Bestand der Gipsabguss-Sammlung werden im Treppenhaus des Instituts u. a. Michelangelos Moses sowie die Naumburger Stifterfiguren Ekkehard und Uta aufgestellt.

1966: Erwerb der Bibliothek des italienischen Kunsthistorikers Carlo Cecchelli (7.000 Bände, rd. 14.000 Einzelstücke in Mappen und Kästen). Tod Friedrich Gerkes am 23. August 1966. Wintersemester

1966/67: Lehrstuhlvertretung durch Harald Keller (Frankfurt am Main).


1967 bis 1973: Richard Hamann-Mac Lean Institutsdirektor.

26. Juli 1967: Berufung von Richard Hamann-Mac Lean (bisher Marburg, Lehrstuhlvertretung seit 1.5.1967); Antrittsvorlesung über Picasso. Forschungsschwerpunkte: Gotische Architektur und Plastik, Malerei des 11.-14. Jahrhunderts in Serbien und Makedonien. Die Institutsbibliothek ist zu Beginn der Ära Hamann-Mac Lean auf 22.000 Bände angewachsen. Dieser Zuwachs macht eine systematische Signierung und Aufstellung der Bücher erforderlich und zwingt zur räumlichen Beschneidung der Prinz Johann Georg-Sammlung.

1972: Beginn der hauseigenen Publikationsreihe "Hefte des Kunstgeschichtlichen Instituts der Universität Mainz". Hartmut Biermann wird zum Professor ernannt (Forschungsschwerpunkte: Architektur der Renaissance und ihre theoretischen Voraussetzungen).

1973: Emeritierung von Richard Hamann-Mac Lean. Otto Feld hat sich habilitiert und wird zum Assistenzprofessor ernannt (Forschungsschwerpunkt
e: Spätantike Kunst). Wintersemester

1973/74: Institutsleitung: Fritz Viktor Arens. Lehrstuhlvertretung durch Horst Hallensleben (Bonn).

1974 bis 1981: Friedhelm Wilhelm Fischer Institutsleiter

19. Juni 1975: Antrittsvorlesung Fischers (bisher Karlsruhe) über "Die Wendeltreppe". Forschungsschwerpunkte: Architektur der Spätgotik, Malerei der Klassischen Moderne.

1975: Hans-Jürgen Imiela hat sich habilitiert.

1977: Pensionierung von Fritz Viktor Arens.

1978: Berufung von Michael Bringmann. Die Prinz Johann Georg-Sammlung wird dem Mittelrheinischen Landesmuseum Mainz als Dauerleihgabe überlassen (Beweggründe hierfür waren Probleme hinsichtlich Sicherheit und musealer Präsentation sowie die zunehmende Raumknappheit im Haus).

1980 bis 2000

1981: Jörg Gamer hat sich habilitiert (Forschungsschwerpunkte: Architektur und Gartenkunst im Barock und Klassizismus).

28. August 1981: Tod Friedhelm Wilhelm Fischers.

1982: Otto Feld wird an die Universität Freiburg im Br. berufen.


1984: Berufung von Dethard von Winterfeld (Nachfolge Fischer).

1985: Berufung von Urs Peschlow.

13. November 1986: Tod von Fritz Viktor Arens.

1986-87: Andrzej Tomaszewski (Warschau) Gastwissenschaftler.

1988:
Ausrichtung des ersten deutsch-polnischen Kunsthistorikerkolloquiums ("Die deutsch-polnischen Beziehungen in der Kunst- und Architekturgeschichte vom 10.-20. Jahrhundert"; 22.-26.11.); in der Folge 1995 Gründung des Arbeitskreises deutscher und polnischer Kunsthistoriker. Jörg Gamer wird auf eine Professur an die Universität Hannover berufen.

1990: Hartmut Biermann wird pensioniert.

1990-92: Lehrstuhlvertretungen durch Stephanie Poley und Elisabeth Schröter.

Seit Wintersemester 1991/92: Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte ist als eigenständiges Fach studierbar.

1992: Pensionierung von Hans-Jürgen Imiela. Claudia A. Meier wird zur Akad. Rätin ernannt (1998 zur Akad. Oberrätin).

1993: Arnold Nesselrath hat sich habilitiert.

1993-94: Barbara Schellewald Gastwissenschaftlerin.

1994: Berufung von Elisabeth Schröter. Ausrichtung des Symposions "Spätantike und byzantinische Bauskulptur" (publ.: Peschlow, Urs/Möllers, Sabine (Hrsg.), Stuttgart 1998 (Forschungen zur Kunstgeschichte und Christlichen Archäologie, Bd. 19)).

1995: Claudia A. Meier hat sich habilitiertert.

1996-98: Außensanierung des Hauses (im Treppenhaus Ersetzung der mattierten Drahtglasfenster durch Klarglas, Einrichtung von Sitzgruppen, Neufassung des Glasfensters von Johannes Schreiter).

1997: Umbenennung des Hauses in "Institut für Kunstgeschichte". Brigitte Kurmann-Schwarz hat sich habilitiert.

1998: Festkolloquium aus Anlass des 60. Geburtstages von Dethard von Winterfeld.

1999: Anbindung des Instituts an das Datennetz der Universität Mainz, Einrichtung einer eigenen Homepage. Wolfgang Brönner, Landeskonservator von Rheinland-Pfalz, wird zum apl. Professor ernannt.

 

2000 bis 2015

2000: Tod Richard Hamann-Mac Leans am 19. Januar; akad. Trauerfeier am 9. Juni. Größere Teile des Nachlasses (Bücher, Photosammlung) werden dem Institut vermacht.

2001: Brigitte Kurmann-Schwarz an die ETH Zürich umhabilitiert.

2002: Pensionierung von Elisabeth Schröter. Beginn der Projektarbeit Multimediadatenbank mit der ZDV und anderen Instituten. Neupräsentation der Prinz Johann Georg-Sammlung im Mittelrheinischen Landesmuseum Mainz.

2003: Pensionierung von Dethard von Winterfeld. Kooperationsvereinbarung mit "prometheus -Das verteilte digitale Bildarchiv für Forschung & Lehre". Probephase der Multimediadatenbank beginnt.

2004: Berufung von Elisabeth Oy-Marra (Professur für Kunstgeschichte der Frühen Neuzeit). Universitärer Start der Multimediadatenbank mit Image Access.

31. Juli 2005: Tod von Hans-Jürgen Imiela.

2005: Pensionierung von Michael Bringmann. Umbau des Bibliotheksuntergeschosses. Verena Kessel hat sich habilitiert.


2006: Berufung von Matthias Müller (Professur für Kunstgeschichte mit Schwerpunkt in Mittelalter und beginnender Früher Neuzeit). Kai Kappel hat sich habilitiert.

Mai 2007: Ernennung von Claudia A. Meier zur Akademischen Direktorin.

2007-08: Kai Kappel übernimmt die Vertretung für Neuere und Neueste Kunstgeschichte.

2008: Pensionierung von Urs Peschlow. Gregor Wedekind übernimmt die Vertretung für Neuere und Neueste Kunstgeschichte. Arbeitsbereich Digitale Dokumentation (ADD) wird gegründet.


2009: Berufung von Vasiliki Tsamakda als Universitäts-Professorin (Professur für Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte).


2010: Berufung von Gregor Wedekind als Universitäts-Professor (Professur für die Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart).

28. November 2010: Tod von Elisabeth Schröter.

13.-17.05.2013: Umzug des Instituts in das neuerrichtete Georg-Forster-Gebäude auf dem Universitäts-Campus.

Mai bis Oktober 2013: Demontage und Abriss des alten Institutsgebäudes (einschließlich der ehem. Musikhochschule) in der Binger Str. 26. Während der Gebäudeflügel des Instituts für Kunstgeschichte ein Neubau von 1960 war, bestand der Gebäudetrakt der ehem. Musikhochschule im Kern aus dem 1919 errichteten Geschäftshaus der jüdischen Mainzer Kaufmannsfamilie Ganz (Ludwig Ganz A.G.). Diese hatte in ihrem Geschäftshaus 1921 eine der ersten Ausstellungen moderner Kunst in Mainz präsentiert und selbst eine Kunstsammlung aufgebaut. Die Sammlung wurde im Dritten Reich konfisziert und die Familie aus Mainz vertrieben. Anstelle der historischen Gebäude wird nun ein Studierendenwohnheim errichtet, dessen ausgesprochen nüchterne Architektur bedauerlicherweise keine Fassadenteile des auch architektonisch bedeutenden ehem. Geschäftshauses Ganz integriert.

01.10.2013: Durch die Fusion des Instituts für Kunstgeschichte mit dem Institut für Musikwissenschaft entsteht das neue Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft (IKM) mit seinen drei Abteilungen "Kunstgeschichte", "Musikwissenschaft" sowie "Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte".

10. März 2014: Tod von Michael Bringmann

24.–28.03.2015: "Der Wert der Kunst", Kunsthistorikertag 2015 in Mainz
Der Verband Deutscher Kunsthistoriker e. V. veranstaltet gemeinsam mit dem Institut für Kunstgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz den 33. Deutschen Kunsthistorikertag.
Unter dem Motto "Der Wert der Kunst" stehen während des Kongresses insbesondere solche Forschungsaktivitäten im Mittelpunkt, die den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Status des Faches Kunstgeschichte, aber auch den seiner Objekte und Institutionen reflektieren.